Offizieller Bericht

Zeltlager 2004 in Otting

Warum in die Ferne schweifen… (Das Zeltlager 2004)

Ist es nicht so? Manchmal liegt das Gute tatsächlich in der sprichwörtlichen Nähe. Wir haben den Versuch gewagt, ob das auch für Zeltplätze gilt. Allerdings erst nach langer Diskussion. Marktl oder Otting, das war die Frage. Gegen einen erneuten Besuch in Marktl, dem bislang am weitesten entfernten Platz, sprach die geringe Größe der Wiese dort. Otting aber war auch ein Experiment, ein wunderbarer Platz, schön gelegen, unmittelbar am Wald, vor allem aber mit Bademöglichkeit direkt daneben, einem künstlichen Weiher, unserem so genannten Swimming Pool. Wie wir herausgefunden haben, konnte sogar der Waginger See zu Fuß erreicht werden. Das zu versuchen war unter anderem bedingt durch ein leichtes Algenproblem in unserem Pool. Auch das eine Auswirkung des unglaublich schönen Wetters. Petrus hat es in den zehn Tagen des Zeltlagers, vom 1. bis zum 10. August, und den zwei Tagen davor, in denen der so genannte Vortrupp die Zelte für die Teilnehmer aufbaut, wirklich gut mit uns gemeint. Aber ich wollte eigentlich noch erzählen, was gegen einen so nahegelegenen Zeltplatz spricht. Zum einen dachten wir dabei an allzu häufige Besuche von besorgten Eltern oder Verwandten außerhalb des extra dafür vorgesehenen Besuchertags. Diese Sorge hat sich nicht bestätigt, es war alles wie immer und der erwähnte Tag ein voller Erfolg mit Chili und den von den Besuchern mitgebrachten Salaten und Leckereien. Da lies es sich bei strahlendem Sonnenschein gut feiern und die Eltern erhielten einen Einblick in das Lagerleben und die Unterbringung ihrer Kinder in den Wohnzelten. Aufgrund der vielen Anmeldungen hatten wir dieses Jahr alle 17 zur Verfügung stehenden Sechsmannzelte aufgebaut, waren also wieder einmal ausgebucht. Nach wie vor besteht also doch ein Interesse daran, sich zumindest für ein paar Tage fast ganz ohne die Errungenschaften der modernen Technik auf die Natur und das Leben in ihr einzulassen. Mancher merkt erst bei diesem Versuch, wie leicht es sich doch auf PC, Handy, E-mail und ständige Musikberieselung verzichten lässt. Hier sind wir auch gerne bereit, diesen Verzicht auf technische Spielereien tatkräftig zu unterstützen und Mobiltelefone, Diskmen etc. bis zum Ende des Zeltlagers für die Teilnehmer sicher aufzubewahren. Dazu brauchen diese Dinge nur bei uns abgegeben zu werden, oder sie liegen auffällig genug herum.
Ach ja, angesichts der geringen Entfernung zu Traunreut fürchteten wir auch, dass die Wimpelklauer, die eigentlich in wohldurchdachten und gut geplanten Angriffen versuchen sollten, unsere Fahnen zu stehlen, jede Nacht mit ohnehin aussichtslosen, dafür aber nervigen Aktionen „vorbeischauen“. Erstaunlicherweise hielten sich sogar diese nächtlichen Besuche einigermaßen in Grenzen, von wenigen unrühmlichen Ausnahmen abgesehen. Einer ebenso betrunkenen wie chancenlosen Gruppe unter Führung eines Ex-Teilnehmers, nennen wir ihn T.F., war zum Beispiel entgangen, dass das beim Angriff so wichtige Überraschungsmoment erheblich an Wirkung verliert, wenn man sich mit Hilfe von zwei Dutzend Chinaböllern „anschleicht“. Vielleicht sollten wir von unserer Seite aus den Herren Wimpelklauern doch auch einmal ein wenig unter die Arme greifen und ihnen einige Tricks verraten, wie sie sich und uns einen Haufen Ärger ersparen können. Primär gehört dazu, den eigenen Müll wieder mitzunehmen und nicht einfach in der Wiese liegen zu lassen. Ins Heu gelangte Flaschenscherben schaden den Kühen und bereiten den Bauern deshalb ebensoviel Sorgen wie nachts auf einem Bauernhof rauchende Angreifer. Vom Lärm mal abgesehen. Außerdem sollen, wie der Name schon sagt, die Wimpel geklaut werden und sonst nichts, keine Getränke, keine Marmelade, kein Rucksack, keine Glocke, keine Fußbälle, nur die Wimpel, deshalb auch (noch mal zum mitschreiben) Wimpelklauer. Ein im Vorfeld aktivierter gesunder Menschenverstand könnte derartige Missverständnisse wohl verhindern. Weitere Ratschläge wären etwa: nüchtern sein, zumindest ansprechbar, leise anschleichen, vorher einen Plan ausdenken usw. Aber keine Angst, das muss sich jetzt niemand alles merken. Bis nächstes Jahr werden diese Tipps und noch einige mehr in einer speziellen Wimpelklauer-Rubrik auf unserer Homepage www.zeltlager-traunreut.de zusammengefasst. Diese mag dann auch für das Zeltlager 2005 als Checkliste dienen, so dass kurz vor dem Angriff noch einmal überprüft werden kann, ob man auch an alles gedacht hat. Notfalls findet sich sicher jemand, der die Seite vorliest.
Nun sollte hier aber nicht der Eindruck entstehen, es wären alle nächtlichen Besucher derartig planlos vorgegangen. Dass wir unseren Masten schließlich am vorletzten Tag doch wieder selbst umgerissen und die Wimpel selbst wieder eingepackt haben, ist vor allem das Verdienst der stets aufmerksamen Nachtwache. Wie auch bei den anderen im Lager anfallenden Diensten tragen sich die Teilnehmer zeltweise in den entsprechenden Plan ein und übernehmen damit Zweistundenschichten im Feuerzelt. Den Wimpelmasten fest im Blick lauscht die Wache so den Geräuschen der Nacht und harrt dem nächsten Angriff entgegen um dann gegebenenfalls lautstark Alarm zu schlagen. Selbstverständlich ist dabei auch immer mindestens einer der Verantwortlichen mit von der Partie.
Die anderen bereits angesprochenen Dienste dagegen sind weit weniger spektakulär. Je ein Zelt hilft der Küchenmannschaft morgens, mittags und abends bei der Zubereitung der Mahlzeiten. Nur das Kochen über offenem Feuer sorgt dabei für eine gewisse Spannung – brennt der Milchreis an, oder eher die Beine der Kochenden? Holzdienst, Wasserdienst und der allseits beliebte ZBV (= zur besonderen Verwendung) runden die anstehenden Aufgaben ab. Insgesamt muss jeder mindestens einmal in den zehn Tagen für jeden Dienst zur Verfügung stehen. So entsteht durch die Mithilfe und den geringen Beitrag des Einzelnen ein großes und nützliches Ganzes. In diesem Fall unter anderem drei Mahlzeiten für 80 Personen jeden Tag, die jedes Feinschmeckerherz höher schlagen lassen. Von Spaghetti mit verschiedenen Saucen über Geschnetzeltes bis zu Hot Dogs blieben auch dieses Jahr wieder keine Wünsche offen. Gleichzeitig lieferte die ausgezeichnete Verpflegung natürlich nicht nur die notwendige Energie für die nächtliche Wimpelverteidigung. Auch bei den Aktivitäten und Geländespielen des Tages waren so alle mit Feuereifer dabei. Wieder einmal ein Highlight war auf jeden Fall die Schnitzeljagd, bei der die Teilnehmer in Gruppen einer Fährte aus bunten Bonbons folgten. Der Postenlauf überraschte erneut auf einem Rundkurs um das Lager mit kniffligen Aufgaben, die Kreativität und Geschicklichkeit auf die Probe stellten und ganz nebenbei den Teamgeist der nach dem Zufallsprinzip zusammengewürfelten Gruppen stärkten. So mussten an einer Station alle Teilnehmer über eine hoch gespannte Schnur gelangen, woanders mussten gegurgelte Lieder erkannt oder Entfernungen geschätzt werden. Dosenwerfen war vertreten und Blindfußball. Zudem musste während des Postenlaufs ein beliebiges Lied auf das Zeltlager umgeschrieben werden, was später im Kreis um den Masten, wo wir uns immer vor dem Essen zu wichtigen Ankündigungen und Gebet versammeln, für einige Erheiterung sorgte. Auch ein Klassiker ist das so genannte „Birgit-Gewalt-Spiel“, eine Art Handball auf Knien, neu dagegen die „Tortenschlacht“ und nur böse Zungen behaupten, dass letztgenannte zum endgültigen Umkippen unseres Badeweihers geführt hat. Auch der bereits oben erwähnte Tagesausflug zum Waginger See stand auf dem Programm. Dabei wurde das Mittagessen im dortigen Strandbad serviert und wer wollte konnte die Heimreise zum Lager mit dem Zug antreten.
So vergingen die zehn Tage wie im Flug, bis es schließlich wieder an der Zeit war, mit einem Topf voll Bowle am großen Feuer auf den traurigen Abschied, aber auch das gelungene Zeltlager 2004 anzustoßen. Und schon wurde am nächsten Tag die ganze Herrlichkeit auf den Laster verladen und am darauffolgenden Aufräumtag wieder für ein langes Jahr in den „Winterschlaf“ geschickt.
Mir bleibt so nur noch, mich auch an dieser Stelle bei allen, die zum guten Gelingen des Zeltlagers beigetragen haben, zu bedanken.
Bis zum nächsten Mal!

Martin Reicheneder