1993

Zeltlager 1993 in Petting

Offizieller Bericht von MVR

Monstermade Im Mädchenzelt

oder

Alle Jahre wieder

    Dies ist die Geschichte von 60 Jugendlichen, die auszogen, das Leben zu lernen; das Leben in der Wildnis, mit all seiner Ursprünglichkeit und Romantik, seiner Erholung und seinen Arbeiten, seinen Abenteuern, Gefahren und wilden Bestien. Ja, und gerade diese zwangen mich dereinst, es war an einem der letzten Tage und die Sonne gerade rotgolden hinter den Baumwipfeln versunken, meine Beschäftigung als Küchenchef, übrigens einer von dreien, die mich entgegen anderslautenden Gerüchten vollauf auslastete, kurzzeitig niederzulegen, nur um sofort, ein lauthals verlangtes Mitglied der hochgeachteten Kammerjägerzunft mimend, wieder auf der Bildfläche zu erscheinen. Und keinen Augenblick zu früh, denn eben machte sich die gefräßige Bestie brüllend und die gefährlichen Reißzähne fletschend über dieses süße, blutjunge Geschöpf her, das sich in seiner übermenschlichen Furcht in einer der Ecken des Zeltes zusammengekauert hatte und weder ein noch aus wußte. Vorne das gefräßige Untier und im Rücken die undurchdringliche Stoffwand. Hier stürzte ich mich also todesmutig in die erschreckende Szenerie, erfaßte das Geschehen mit einem Blicke und ersann blitzschnell eine Möglichkeit, die Gefahr zu bannen, ohne Leib und Leben der holden Maid zu gefährden. Ohne auf mich selbst Rücksicht zu nehmen lud ich also die furchterregende Bestie auf eine Spielkarte und beförderte sie, während mir tosend der Beifall und die Jubelrufe der eben noch angsterfüllt verharrenden Damenwelt zubrandeten mit einem unglaublichen Wurf in die Sümpfe, die sich neben dem Zelt erstreckten.

Nun, wir Verantwortlichen sehen es, ohne, daß ich hier irgendwelches, wie auch immer geartetes Eigenlob einzuflechten trachte, als unsere heilige Pflicht an, die uns anvertrauten Schutzbefohlenen gegen jegliche Art von Gefahren zu verteidigen (z.B. auch gegen gefährliche Maden, wie das obige Beispiel zeigte). Und wir befolgen diesen Grundsatz mit eiserner Disziplin. Notgedrungen, denn, im Vertrauen gesagt, wer kann kleine Mädchen (und kleine Maden) schon leiden sehen. Sicher nicht ich. Und auch andere Große (besonders 1,96m, mit süßen Luxus-Froschaugen) kümmerten sich rührend um wenigstens eine der genannten Spezies. Tja, Schicksal! Auf jeden Fall hoffe ich, man wird mir diese kleine Anspielung verzeihen. Ebenso, wie diejenige über jenen Verantwortlichen, dessen Spitzname etwas mit dem Lebensmittel zu tun hat, mit dem die Schlacht am letzten Tag nicht ganz so exzessiv klebrig ausgeartet wäre, und der, nachdem die Glühstrümpfe beim Vortrupp reihenweise vor ihm zu Asche hinabsanken, am letzten Abend durch seine „feurige Ausstrahlung“ wenigstens indirekt ins Schwitzen kam. Ich sage nur „Hang down your head“. Na ja, immerhin war er ja wahrscheinlich gut versichert. So lustig geht es also im Zeltlager zu, das die Katholische Jugend Traunreut alle Jahre wieder am Anfang der Sommerferien veranstaltet.

Der Tragödie erster Teil

    Für alle Nicht-Mitfahrer jedoch möchte ich noch einmal schön der Reihe nach erzählen. Traditionell beginnt alles mit dem sogenannten Vortrupp. Das ist die Gruppe der Verantwortlichen, die sich schon zwei Tage vor dem offiziellen Zeltlagertermin trifft, um alle Zelte, Gerätschaften und sonstigen Dinge, die für das Überstehen der folgenden 12 Tage mehr oder minder unentbehrlich sind, aus dem Kirchturm und dem Pfarrheim zu holen und in den Lastwagen zu verladen, so ausgerüstet dann zu dem vorher ausgesuchten Zeltplatz zu fahren und dort schon einmal die wichtigsten Vorbereitungen zu treffen für die Ankunft der eigentlichen Hauptpersonen des Zeltlagers, den wagemutigen Jungen und Mädchen aus unserer Pfarrei und deren näherer und weiteren Umgebung.

Und Mut gehört wahrhaftig dazu, das Wagnis Gemeinschaft mit seinem Verzicht auf Langeweile und Luxus, seiner Ungebundenheit und Unterordnung, seinen Annehmlichkeiten und Aufgaben, wenn auch nur für 10 Tage, auf sich zu nehmen. Besonders das erste Mal kostet meist Überwindung. Man hat vielleicht schon etwas gehört, von der Arbeit, die von manchen als derartig anstrengend dargestellt wird, dem angeblich so schlechten Essen und dem ach so entbehrungsreichen Leben in den Zelten. Dies alles ist natürlich, wie mancher wahrscheinlich ahnt, sich ein Herz faßt und selbst einmal mitfährt, um sich ein eigenes Urteil zu bilden, eine viel zu einseitige Darstellung, die nichts von den wahren Reizen dieses Lebens zeigt, welche sich, selbst wenn man hunderte von Seiten zur Verfügung hätte, nur zu einem verschwindend geringen Bruchteil in Worte fassen ließen. Nur wer es selbst einmal probiert hat, wer das ursprüngliche Leben in der Natur ohne die Zwänge der Zivilisation kostete, wer das Gefühl der stillstehenden Zeit empfand und zu seiner Befriedigung feststellte, daß die Sonne sich auch ohne das sonst unentrinnbare Diktat der Uhren jeden Morgen bleich und schlaftrunken durch den kühlen Morgennebel ihre tägliche Bahn hinaufhangelt, am Mittag alles mit ihrem flirrenden, Leben spendenden Licht überflutet, das die Luft am Horizont in der Hitze flimmern läßt und die Menschen lehrt, den Schatten der knorrigen Baumriesen und die erfrischende Kühle der Wälder zu schätzen, und die abends rot glühend hinter den hohen Wipfeln der Bäume wieder versinkt, während sie ihre letzten Strahlen, in denen die Insekten ihren Abendtanz halten übers Land schickt. Wer nachts erwachte, als der Sturm um sein Zelt heulte und der Regen trommelnd von dessen Dach abprallte, um gleich darauf sicher und geborgen und doch gleichsam mit der Natur draußen auf geheimnisvolle Weise verbunden, wieder einzuschlafen, wer den Duft der Freiheit, der die scheinbar ewigen Wälder umwebt, roch… ja, man kann dieses Lebensgefühl förmlich riechen, auch wenn diese Sinneswahrnehmung oft aus beißendem Feuerrauch besteht… wer dies und noch viel mehr empfunden hat, der hat erfahren, was das Abenteuer Zeltlager in der Seele eines Menschen verändert, so daß diese die Erinnerung ein Leben lang festzuhalten sucht. Oder zumindest ein Jahr lang. Bis zum nächsten Zeltlager.
Solche und ähnliche Gedanken kamen mir also, als wir am 21.7. Richtung Weidsee zu unserem Zeltplatz fuhren. Langsam legte sich die Abenddämmerung über die Landschaft, die sich vor den Autofenstern abrollte, das Beladen des Lasters hatte sich ungewöhnlich lange hingezogen. Und wie ich so in die Dunkelheit sah, tauchte in mir wieder die Erinnerung an mein erstes Zeltlager auf. Es hatte mich ziemliche Überwindung gekostet, überhaupt mitzufahren, und dort empfand ich alles noch als unnötige Strapaze in den so lange schon herbeigesehnten Schulferien. Fast hätte ich, als es ein Jahr später wieder soweit war, resigniert, und die Herausforderung, es noch einmal zu versuchen, abgelehnt. Doch dieses Zeltlager gab schließlich den Ausschlag zu meiner „Karriere“ vom einfachen Teilnehmer über den Teilverantwortlichen bis zu einem Hauptverantwortlichen. Ich hatte die versteckten Werte erkennen und schätzen gelernt. Fast wäre ich zu einem derer geworden, die es nicht ein zweites mal wagten und in den nächsten Ferien, in der Konsumwelt verhaftet, vor Fernseher und der Stereoanlage sitzen blieben.
Jäh wurde ich allerdings aus meinen Gedanken gerissen, als der Laster im Schlamm, der infolge der starken Regenfälle der Tage zuvor den Weg zum Zeltplatz bedeckte, stecken blieb und weder vor noch zurück konnte. Der Bauer eines nahegelegenen Hofes erklärte sich glücklicherweise bereit, ihn mit seinem Traktor wieder flott zu machen. Nun ergab sich allerdings das Problem, daß die gesamte Ausrüstung ca. 300 m von der angestrebten Wiese entfernt auf einem Feldweg lagerte. Inzwischen war es völlig dunkel geworden und so mußten wir alles für die erste Nacht unbedingt erforderliche teils mit dem Zeltlagerauto, teils von Hand auf den Platz befördern und dort das THW-Zelt beim Schein einer kleinen Lampe errichten. Anschließend wurde noch das wichtigste in das Zelt verfrachtet und fast alle legten sich sofort erschöpft schlafen.

… und es wurde Morgen: zweiter Tag

    Viel gibt es nicht zu berichten von dem zweiten Tag eines Zeltlagers außer einem Wort: Arbeit. Während sich die einen daran machten, die restlichen Ausrüstungs-gegenstände zum Zeltplatz zu schleppen, begannen andere damit, das Küchenzelt und die Jurte (das ist das große Feuerzelt) aufzustellen und einzuräumen, wobei sich herausstellte, daß ein Teil des Jurtendaches fehlte. Dies wurde trotz intensiver Suche erst am nächsten Tag mit einigen Löchern versehen im Pfarrheim entdeckt. Bei dieser Gelegenheit möchte ich im Namen des gesamten Zeltlagers Frau Woski unseren herzlichen Dank für die prompte und ausgezeichnete Flickarbeit aussprechen. Als nun eine Gruppe anfing, die Wohnzelte aufzubauen, fuhr ein Teil der Küchenbesatzung zum Einkaufen der leichter verderblichen Waren. Eine weitere Tatsache, an die man sich als Zeltlagermitfahrer zu gewöhnen hat, ist der Umstand, daß man für jede Arbeit außerhalb des Lagers, für die man nicht mindestens eine lückenlose und notariell beglaubigte Beweiskette vorlegen kann, auf keinen Fall etwas anderes als einen nicht enden wollenden Hagel an Kritik bezüglich Dauer, Qualität, und, und, und, zu erwarten hat. Über dem Fortschritt der Lagerkulisse, die langsam Gestalt annahm, wurde es Abend und man ging trotz des ersten Lagerfeuers früh zu Bett.

Aller guten Tage sind drei

    Und da war er also gekommen, der erste „richtige“ Zeltlagertag. Deswegen richtig, weil an diesem Tag die jugendlichen Mitfahrer in großer Zahl und bestückt mit jede Menge Gepäck und mit meist sogar paarweise auftretenden Eltern den bis dahin verlassen und idyllisch daliegenden Zeltplatz stürmen. Die Invasionswelle rollte gegen 15 Uhr an und der folgende Organisationskampf mit den unterschiedlichsten Ursachen, wie zum Beispiel „Ich mag aber nich mit deeem ins Zelt!!!“, war schon in vollem Gange, als um ca 16 Uhr noch die letzten Nachzügler eintrafen. Da es erfahrungsgemäß einige Zeit benötigt, bis sich jeder in seinem Zelt ein- und mit dem Gedanken abgefunden hat, hier die nächsten 10 Tage zu wohnen, so wurde nur noch das Holzgerüst für die inzwischen schon obligatorische Lagerglocke errichtet. Da vom Kochen schon ein Feuer brannte, ließ die auf alle überschwappende Stimmung mit den alten, bereits tief in der Zeltlagergeschichte verwurzelten Liedern nicht lange auf sich warten. Und uns wurde klar: Erst in diesem Augenblick ging es richtig los; es war wieder Zeltlager!! Abends am Feuer, bei Gesang und süßem Tee, sind sämtliche Mühen vergessen und man kann die Gemeinschaft, die dann alle verbindet, förmlich mit Händen greifen.

Vier gewinnt (nicht)

    Streß und Hektik bestimmen unseren Lebenslauf, daß bekommen auch die Teilnehmer zu spüren. An diesem vierten Tag artete das Ganze dann doch etwas in Arbeit aus. So mußte ein Wimpelmast gesucht, zum Lager geschleppt, ein Loch dafür gegraben und die Wimpel gehißt werden. Zu diesen sei noch gesagt, daß es in der langen und glorreichen Geschichte des Zeltlagers immer wieder verschiedene Gruppen gegeben hat und auch immer wieder neue geben wird, deren erklärtes Ziel es ist, unter großem körperlichen Einsatz diese Wimpel zu stehlen und dafür vor allem diverse Getränke zu erpressen. Nur selten ist der Erfolg wirklich garantiert, aber ein Versuch scheint sich dennoch immer zu lohnen. Diese begehrten Objekte wurden nun in einiger Höhe dem Auge des Betrachters ausgesetzt, mit der Absicht, sie dem Zugriff desselben nach Möglichkeit zu entziehen. Doch nicht nur der Mast wurde am heutigen Tag aufgestellt, auch für das Volleyballnetz mußten dicke Äste aus dem Wald gezogen und aufgestellt werden. Da die kräftige Nachmittagssonne immer noch vorn Himmel stach, ging’s als vermeintlicher Tagesabschluß noch an den romantischen Weidsee zum Baden. Einige besonders Sportbegeisterte schreckten jedoch nicht davor zurück, in der aufkommenden Dämmerung noch Fuß- und Volleyballspiele zu veranstalten. Auch im Feuerzelt saß man inzwischen schon zusammen, stimmte allerdings die bekannten Stimmungskiller an. So kam es, daß sich schon bald die Szenerie leerte und nur noch vereinzelt dunkle Gestalten zu sehen waren.

Mit einem mal jedoch kam wieder Leben ins Lager. Ein Spähtrupp hatte am Waldrand eine Gruppe gesichtet, die wohl nur aus dem einen Grund hier sein konnte, nämlich, um unsere Wimpel zu entwenden. Sie waren beim Anpirschen an unser Lager allerdings nicht sehr professionell vorgegangen.

Merke: Zigaretten und rot-weiße T-Shirts leuchten in der Dunkelheit. Doch siehe da, als wir diese Gruppe stellten, kamen noch zwei andere, professioneller gekleidete Gestalten zum Vorschein. Es waren Helmut und Rossie, die aber von ihrer unerwarteten Konkurrenz ebenso überrascht waren wie wir. Jedenfalls stürmten die Anfänger anschließend noch ins Lager und rissen den Mast um, konnten jedoch dank Helmuts tatkräftiger Unterstützung vertrieben werden, noch ehe sie sich die Wimpel greifen konnten.

Auch ein blindes Huhn findet mal ein Bonbon

    An diesem Tag mußte also eine Gruppe wieder einen Wimpelmasten aufstellen, während der Rest auf Bonbonjagd geht (selbes Prinzip wie eine Schnitzeljagd, bloß, daß die Vorangehenden Bonbons auslegen). Wie letztes Jahr übernahmen Manfred und ich wieder die Fortgeschrittenenrute mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad (Kuhweiden, Irrpfade, Bäche,…). Schneller als erwartet hatten uns unsere Verfolger eingeholt und es begann der lange Rückweg ins Lager. Dort angekommen waren die übrigen schon eifrig mit Tischtennis, Volleyball und Nägelschlagen beschäftigt. Leider zog gegen Abend ein Sturm mit starken Regenfällen auf, der uns zeitig in das Feuerzelt oder die Schlafzelte trieb.

Auch die nächsten beiden Tage verliefen ohne nennenswerte Zwischenfälle. Man vergnügte sich beim ABC-Spiel, bei dem zu jedem Buchstaben des Alphabets etwas natürliches aus Wald und Feld um den Zeltplatz gefunden werden muß. Wie jedes Jahr gab es auch heuer wieder einige besonders. geistreiche Einfälle, so z.B. ein demolierter Apfel bei D, ein ekliger Wurm für E, oder ein unbekanntes Freßobjekt unter dem Buchstaben U. Na, ja, warum auch nicht.

Überfall!

    Richtig zur Sache ging es dann jedoch wieder in der Nacht auf den 28.7., dem Besuchertag. Eine große Gruppe älterer Jugendlicher überfiel unter Anleitung eines erfahrenen ehemaligen Teilnehmers das Lager. Alles war genau geplant. Zuerst wurde die Alarmglocke abmontiert, anschließend die Nachtwache im Feuerzelt hinterrücks überwältigt, deren hauptsächliches Aufgabenfeld (neben dem Essen von Nutellabroten) die möglichst geräuschvolle Alarmierung aller Schlafenden darstellt, was sich in dieser Nacht wieder einmal als besonders problematisch erwies (mit zugehaltenem Mund alarmiert es sich schwerer).
Wie alle anderen Dienste (Küchendienst etc) im Zeltlager wird auch die Nachtwache durch einen Plan geregelt, nur mit dem Unterschied, daß die Teilnahme hier freiwillig ist. Jede Nacht wird in Abschnitte eingeteilt, von denen man so oft so viele übernehmen kann, wie man nur möchte, während bei den anderen Diensten jeder Mitfahrer jeden Dienst einmal belegt haben muß. Am Anfang fällt die Belegung der einzelnen Abschnitte nicht schwer, doch gegen Ende flaut der Enthusiasmus ziemlich ab. Und es überfällt sich eben leicht, wenn nur noch die Nachtwache (ein Verantwortlicher und zwei oder drei „Kleine“) im Feuerzelt herumsitzt, und vielleicht noch jemand, der einfach nur so auf ist, wie ich an jenem Abend.
Und damit zurück zum Geschehen. Wir hatten also erst mühsam und nach einigem Gerangel mittels einer Pfeife Alarm geben können, doch noch ehe der Großteil der Teilnehmer aus ihren Zelten gekrochen war hatten die Angreifer schon den Mast umgerissen und waren mit zwei der drei Wimpel auf und davon. Eine gelungene Aktion, das muß ihnen der Neid lassen. Langsam beruhigte sich alles wieder, denn es blieb nun wohl nichts anderes übrig, als auf den Morgen zu warten. Kaum war dieser vollends angebrochen, hieß es auch schon aufstehen und alles für die Ankunft der Eltern vorbereiten. Diese wurden um 17 Uhr erwartet. Trotz dem trüben Wetter wurde es ein gelungener Nachmittag mit Grillwürstchen, Salat und einem stimmungsvollen Ausklang im Feuerzelt.

Ende gut alles gut

    Das anhaltend schöne Wetter zwischen dem Besuchertag und dem letzten Abend hatte wieder dafür gesorgt, daß das Lagerleben geruhsamer vonstatten ging. Man badete im nahegelegenen Weidsee, bastelte Gipsmasken, veranstaltete ein Geschicklichkeitsspiel und einen Postenlauf. Jener romantische, oben genannte See, dessen von Umweltverschmutzung noch relativ verschonte Flora und Fauna manche doch so sehr verschreckte, daß sie aus dem Nörgeln nicht mehr herauskamen, lud auch gegen Ende des Zeltlagers noch dazu ein, eine längst überfällige Taufe zu vollstrecken. Nun denn, kurze Rede, langer Sinn, Christina R. war also dazu ausersehen, in den ehrenhaften Stand der erfahrenen Zeltlagerteilnehmer erhoben zu werden. Und ebenda funktionierte sie (in einer haarigen Angelegenheit) gleich als erstes zwei Küchenverantwortliche zu einer Dusche um… . Aber, a propos längst überfällige Taufen, da fällt mir ein, daß sogar Reinhold A., der schon einige Zeltlager lang dieser Aktion geschickt aus dem Weg ging, diesmal offiziell eingeführt wurde, daß die Taufe von Sabine T. den bezeichnenden Namen „Aktion Nutellabrote“ erhielt, und, und, und (die Reihe ließe sich noch einige Zeit fortsetzen). Auf jeden Fall erreichte die Stimmung im Lager noch einmal einen Höhepunkt, als am letzten Abend manchen notorischen Meckerern zum Trotz das große Feuer entzündet und darauf eine Strohpuppe verbrannt wurde. Diese stellt jedes Jahr einen Verantwortlichen dar, der besonders negativ aufgefallen war.
Doch kaum war das Feuer dieses mal ein wenig heruntergebrannt, bot sich den Verantwortlichen noch ein besonderer Leckerbissen. Einige Tage vorher war in der Nähe unseres Zeltplatzes das Lager einer Kolping-Jugend entdeckt und ausgekundschaftet worden. Nun waren wir also in der Lage, uns eine Abwechslung vom ewigen Verteidigen der eigenen Wimpel zu verschaffen. Im Gefolge eine Handvoll der größeren Mitfahrer machten wir uns auf den Weg, schlichen uns an das gegnerische Lager an und während die Mehrzahl unter großem Geschrei ins Lager stürmte entwendeten andere den für die Nacht im Hauptzelt abgelegten Wimpel. So kam es, daß wir ein paar Tage später auch endlich einmal zum Wimpeleinlösen fahren konnten.
Wieder im heimatlichen Lager angekommen saßen wir aber an diesem Abend noch ein wenig um die Reste des großen Feuers, bevor auch wir dann schlafen gingen, denn der nächste Tag, an dem alles abgebaut werden mußte, versprach einige Arbeit. Insgesamt war dieser Abend allerdings ein durchaus gelungener Ausklang des Zeltlagers, der sicher vielen den Mut geben wird, auch nächstes Jahr mitzufahren. Es ist zwar so ein Mysterium, daß im Zeltlager bei aller Geschäftigkeit die Zeit gemächlich verstreicht und man manchmal sogar den Eindruck gewinnt, als würde sie stillstehen, bis plötzlich der letzte Tag gekommen ist und wieder die nicht enden wollende Ewigkeit eines Jahres bevorsteht. Ich für meinen Teil werde aber wohl wieder 150 Tage vorher anfangen, voller Ungeduld rückwärts zu zählen. Denn ich freue mich auf das nächste Zeltlager.

Fazit: Unglaubliche Szenen spielten sich auch dieses Mal wieder ab, was haben wir auch dieses mal wieder gelacht. oder: „Der Bundesgesundheitsminister warnt: zelteln gefährdet ihre Gesundheit, eine Portion einer Mahlzeit dieses Zeltlagers enthält durchschnittlich 3g Ruß und 5g Knoblauch“.

(Martin V. Reicheneder)